Begriffserläuterungen

Glossar zum Projekt – Lernort ICH – im Rahmen von Lernen im Lebenslauf bzw. lebenslangem Lernen

Formales Lernen

Formales Lernen findet in „Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen statt und führt zu anerkannten Abschlüssen und Qualifikationen. Somit ist formales Lernen alles Lernen, das organisiert nach einem Lehrplan verläuft, also z. B. der Unterricht in der Schule, in der Universität, der Lehrausbildung etc.

Üblicherweise gibt es dabei Lehrende und Lernende, wobei die Lehrenden den Lernenden etwas beibringen wollen und die Lernenden lernen wollen oder sollen. Formales Lernen ist in der Regel dadurch gekennzeichnet, dass es definierte Methoden gibt, um definierte Lernziele zu erreichen und ein Abschluss angestrebt wird.

Die OECD sieht das etwas anders. Wichtigstes Unterscheidungskritererium ist dabei für die OECD, die Qualifizierung und und Zertifzierung des Lernen. Das wird als „formal Learning“ bezeichnet. Auf beispielsweise die Volkshochschulen in Deutschland bezogen, bedeutete dies, dass Abschlüsse von Weiterbildungen wie die XPert-Zertifikate (non-formales Lernen) von der OECD als formales Lernen betrachtet würden.

Die von der EU vorgeschlagene Definition liegt somit näher an den deutschen Realitäten. XPert-Zertifikate der Volkshochschule oder der „Profilpass für Jugendliche“ gehören somit zum nicht-formalen Lernen. Da unser Projekt sich auf diese Ebene des Lebenslangen Lernens bzw. des Lernen im Lebenslauf bezieht, folgen wir hier der europäischen Perspektive, womit dann aber die internationale Vergleichbarkeit erschwert wird.

Non-formales Lernen

Non-formales Lernen auch nicht-formales Lernen: Dieses Lernen findet „außerhalb der allgemeinen und beruflichen Bildung statt“ (EU-Memorandum) und führt nicht unbedingt zum Erwerbs eines formalen Abschlusses. Non-formales Lernen findet in organiserten Kontexten statt und ist intentional gerichtet aus der Sicht des Lerners bzw. der Lernerin. Die Lernenden könne somit durchaus Zertifikate wie den XPert oder den Profilpass erwerben.

Es  kann am Arbeitsplatz oder in Organisationen stattfinden. Auch Organisationen und Einrichtungen, die zur Ergänzung des formalen Lernens eingerichtet wurden, können somit als nicht-formale Lernorte fungieren.

Non-formales (oder auch non-formelles) Lernen findet immer dann statt, wenn ich beabsichtige, etwas zu lernen, dabei aber nicht traditionelle Bildungswege beschreite. So kann eine Learner-Community im WWW, bei der ich mir Informationen und Tipps zur Gestaltung meiner Website hole, z. B. "non-formal" sein, sofern sie Lernen organisiert und aus der Sicht der Beteiligten intentional ist. Die an der Community Beteiligten werden sich wahrscheinlich selbst sowohl als Lehrende, als auch als Lernende bezeichnen bzw. ihre Rollen immer wechseln.

Auch der ganz private "Selbstlern-Sprachkurs" fällt in diese Rubrik. Typisch für non-formales Lernen ist, dass die Situationen, in die ich mich begebe, aber bewusst als Lernsituationen gewählt wurde und „organisiert“ ist. Im Projekt haben wir hier uns auch gerade mit der Anerkennung informell erworbenen Wissens – im Sinne eine Abschlusses non-formalen-Lernens als Ergänzung zu einem formalen System - mit dem Teilprojekt für Jugendliche „Profilpass und der vertiefenden Berufsorientierungen“ in Zusammenarbeit mit den Real- und Gesamtschulen des Saarlandes bemüht, eine bundesweit anerkannte Zertifizierung hinzuzufügen.

Auch für Unternehmen und deren MitarbeiterInnen stellt dies in Zukunft einen wichtigen Aspekt dar. Nämlich über die Bereitstellung non-formaler Lernwege und – Orte auf der einen Seite für das formale System bedeutsame Abschlüsse zu erwirken, die durchaus andererseits darauf basieren, bisher informell erworbenes Wissen anzuerkennen und didaktisch und pädagogisch nutzbar zu machen. Damit stellt man dann eine Verzahnung von formellen und informellen Bildungssystemen her.

Informelles Lernen

Informelles Lernen ist hingegen die „natürliche Begleiterscheinung des täglichen Lebens“ ((BMBF, Stand der Anerkennung non-formalen und informellen Lernen in Deutschland,  Bonn, Berlin 2008).  Anders als beim formalen Lernen und nicht-formalen Lernen handelt es sich nicht notwendigerweise um ein intentionales Lernen.

Ein solches Lernen wird von den Lernenden selbst unter Umständen gar nicht als Erweiterung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten wahrgenommen. Als informelles Lernen wird alles Lernen bezeichnet, das in Situationen stattfindet, die gar nicht zum Lernen gedacht sind.

Das kann sein, wenn ich mich im Ausland beim Einkaufen mit Zeichensprache verständige und dadurch von der Verkäuferin ein neues Wort erfahre, dass ich dem gezeigten Gegenstand zuordnen kann und das ich danach immer wieder benutze.

Das kann auch sein, wenn ich merke, dass ich mich mit einer bestimmten Redestrategie meinem Kind gegenüber besonders gut verständlich machen kann und diese Strategie in Situationen, wo es drauf ankommt, einsetze. Informell gelernt habe ich auch, wenn ich herausgefunden habe, welche Tomatensorte in meinem Garten besonders gut gedeiht und sie von da an anbaue.

Ich habe meist etwas im wahrsten Sinne des Wortes erfahren, dass heißt, ich habe es gesehen, gehört, gefühlt, getan etc. und mir Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet. Damit kann ich das Gelernte bewusst in ähnlichen Situationen anwenden, es kann zu einer Handlungsstrategie werden. Im Projekt haben wir hierzu einige solcher „untypischen“ unspezifischen Lernorte aufgesucht und versuchen diese zu katalogisieren. Dabei ist diese Form des Lernen quasi sozial amorph.  Sie ist dem formellen und auch dem sozialwissenschaftlichen Zugriff eher entzogen. So als ob beim Draufschauen der Lernort bzw. die Lernstatt fast schon wieder entschwindet.

In diesem Sinne sind solche Lernorte real wie virtuell und haben eben einen amorphen schwer zu katalogisierenden Charakter. Sie ist aber im Sozialraum hoch verdichteter Quartieren von Städten wie auch in den Gemeinschaften ländlicher Räume ein wichtiger Faktor, dessen Plan- und Kalkulierbarkeit wünschenswert im Sinne eines positiven Bildungsmonitorings wäre.

Wissenschaftler/innen haben herausgefunden, dass der Mensch zu 70 % informell lernt.

Inzidentielles Lernen

Als inzidentiell (zufälliges, unabsichtliches) Gelerntes werden alle Informationen und alles Können bezeichnet, das ich mir (wie bei informellem Lernen) außerhalb einer zum Lernen gedachten Situation angeeignet habe. Der Unterschied zum informellen Lernen besteht vor allem darin, dass ich - nachdem ich das für mich Neue erfahren habe - es nicht weiter verarbeite, reflektiere. Es bleibt damit zufällig.

Manchmal gelingt es wahrscheinlich, dieses quasi "Aus Versehen"- Aufgeschnappte oder Erfahrene erneut anzuwenden, weil ich mich daran erinnere. Vielleicht erwächst aus dem Erfolg oder Misserfolg, den ich daraus erlebe, eine neue Erkenntnis im Sinne des informellen Lernens.

Das Glossar basiert auf folgenden Quellen:

Bernd Overwien: Debatten, Begriffsbestimmungen und Forschungsansätze zum informellen Lernen und zum Erfahrungslernen - In: Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen: Tagungsband zum Kongreß “Der flexible Mensch”. Berlin:BBJ-Verlag 2001, S.359-376)
www.kobra.gendernet.port07.de/begriffe.html (08/2008);
Fundstelle: www2.tu-berlin.de/fak1/gsw/fadida_sozk/fadida_sozk_downloads/bbj.pdf (08/2008);
Wikipedia - www.wikipedia.de
Stichwort: Informelles Lernen; groups.uni-paderborn.de/wipaed/bpwiki/index.php/Non-formales_Lernen (08/2008); Bundesministerium für Bildung und Forschung: Stand der Anerkennung non-formalen und informellen Lernes in Deutschland im Rahmen der OECD-Aktivität „Recognition of non-formal and informal Learning“, Bonn, Berlin 2008; Kommission der EU im Memorandum über Lebenslanges Lernen vom 30.10.2000

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